Kochia Band 15 - GEFD

Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands
Direkt zum Seiteninhalt

Kochia Band 15


 
Kochia – Band 15 – 29.April 2022
 
 
Bernhardt, P. D. H., Dillenberger, M. S. & Kadereit, J. W.: Identität, Verbreitung und mögliche Verwandtschaft von Elymus arenosus  ... 1–10

 
Zusammenfassung: Die Sand-Quecke, Elymus arenosus, ist eine in ihrer Umgrenzung, taxonomischen Bewertung und geographischen Verbreitung umstrittene Art. Während einige Autoren sie als Endemiten des Mainzer Sandes betrachten, wird sie von anderen Autoren, häufig als Unterart, als auch an den Küsten Nordwesteuropas weitverbreitet aufgefasst. Unter Verwendung von plastidären trnL-trnF und nukleär-ribosomalen ITS-Sequenzen wird hier versucht, die Identität, Verbreitung und mögliche Verwandtschaft von E. arenosus zu klären. Individuen vom Mainzer Sand haben einen nur ihnen eigenen trnL-trnF-Haplotypen, der auch in als E. arenosus identifiziertem Material aus den Niederlanden (Millingerwaard) gefunden wurde, sowie einige nur ihnen eigene ITS-Ribotypen. In Verbindung mit der ihr eigenen Morphologie und älteren Berichten der Art vom Oberrhein führt uns das zu dem Schluss, dass E. arenosus als Art bewertet werden sollte und ehemals entlang des Rheins weiter verbreitet war. E. arenosus hat eine Chromosomenzahl von 2n = 28. Molekulare und morphologische Ähnlichkeiten lassen es möglich erscheinen, dass E. campestris der engste Verwandte von E. arenosus ist.
 
 
Abstract: Identity, distribution and possible relationship of Elymus arenosus. Elymus arenosus is controversial in terms of its delimitation, taxonomic assessment and geographical distribution. Whereas some authors consider it an endemic of the Mainzer Sand region in Germany, others regard it as a taxon, often at subspecific rank, more widely distributed along the coasts of northwest Europe. Using plastid trnL-trnF and nuclear ribosomal ITS sequences we aimed at clarifying the identity, geographical distribution and possible relationships of the species. We found that Mainzer Sand material of E. arenosus contains an unique trnL-trnF haplotype, also found in Dutch material (Millingerwaard) identified as E. arenosus, as well as some unique ITS-ribotypes. In combination with its unique morphology and older records. of the species from the upper Rhine valley we conclude that E. arenosus should be treated as a  pecies which was more widely distributed along the Rhine in the past. The species has 2n = 28 chromosomes. Molecular and morphological similarities may imply that E. campestris is the closest relative of E. arenosus.
 
Mohr, D. R., Dillenberger, M. S. & Kadereit, J. W.: Die Verwandtschaft von Onosma arenaria vom Mainzer Sand.......  11–18
 
 
Zusammenfassung: Die Sand-Lotwurz, Onosma arenaria, kommt in Deutschland nur im Gebiet des Mainzer Sandes vor. Es wird allgemein angenommen, dass das Vorkommen der Art hier als Restvorkommen einer nacheiszeitlich weiter ausgedehnten, heute südosteuropäischen Steppe interpretiert werden muss. Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass O. helvetica aus der südwestlichen Schweiz und dem südöstlichen Frankreich sehr eng mit O. arenaria verwandt ist und als Teil dieser Art betrachtet werden kann. Vor diesem Hintergrund wird der Frage nachgegangen, ob O. arenaria vom Mainzer Sand evtl. mit südwestlichen und nicht mit südöstlichen Populationen der Art verwandt ist. Die Analyse plastidärer rpl32-trnL- und nukleär-ribosomaler ITS-Sequenzen führte zu dem überraschenden Ergebnis, dass O. arenaria vom Mainzer Sand sowohl südöstliche als auch südwestliche ITS-Sequenztypen enthält. Damit zeigt die Population vom Mainzer Sand Beziehungen zu beiden Gebieten und kann nicht mehr als Relikt einer südöstlichen Steppe interpretiert werden. Die erstmalige Bestimmung der Chromosomenzahl und -morphologie von O. arenaria vom Mainzer Sand bestätigt Befunde aus anderen Gebieten.
 
 
Abstract: The relationship of Onosma arenaria from the Mainzer Sand. In Germany, Onosma arenaria is known only from the Mainzer Sand region. It is generally assumed that this population is a relic of a postglacially more widely distributed southeast European steppe. Recent studies had shown that O. helvetica, distributed in southwest Switzerland and southeast France, is very closely related to O. arenaria and can be considered conspecific. Against this background we investigated whether the Mainzer Sand population of O. arenaria is more closely related to southwestern rather than to southeastern populations of the species. Analysis of plastid rpl32-trnL and nuclear ribosomal ITS sequences revealed that the Mainzer Sand population contains both southwestern and southeastern ITS sequence types. Accordingly, the Mainzer Sand material shows relationships to populations in both areas, and its interpretation as a relic with southeastern relationships must be revised. Chromosome number and chromosome morphology of the Mainzer Sand material confirm earlier findings from other areas.
 
 
 
Wisskirchen, R.: Zur Anthese des Schlangen-Knöterichs (Bistorta officinalis, Polygonaceae) und verwandter Arten.......   19–43
 
 
Zusammenfassung: Der Blühablauf (die Anthese) von fünf Arten der Gattung Bistorta (B. officinalis, B. vivipara, B. amplexicaulis, B. affinis, B. vacciniifolia) wird detailliert beschrieben. Hierdurch können bestehende Wissenslücken gefüllt und Fehlbeschreibungen korrigiert werden. Eingangs wird zum besseren Verständnis zunächst die Gattung kurz charakterisiert und der Bau der Bistorta-Blüte detailliert beschrieben. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Anthese des Schlangen-Knöterichs. Vier Stadien der Anthese können unterschieden werden: 1. Heraustreten der inneren Staubblätter bei noch nahezu geschlossener Blüte, 2. Heraustreten der äußeren Staubblätter mit partieller Blütenöffnung, 3. Heraustreten der Griffel, 4. Anwinkelung der Blütenstiele an die Blütenstandsachse. Für B. officinalis ist ein zweimaliges Blühen typisch, das aber nicht akropetal von unten nach oben, sondern radial (entlang der Wickelachse) von innen nach außen erfolgt, was zu dem bekannten Lampenputzer-Aspekt der Blütenstände führt. Abweichungen vom normalen Blühverhalten werden beschrieben. Die Verhältnisse bei B. vivipara sind ähnlich, doch die Wickel sind einblütig und die Fortpflanzung erfolgt in der Regel rein vegetativ über Bulbillen in der unteren Hälfte der Blütenstände. Bei B. amplexicaulis und B. affinis öffnen sich im Gegensatz zu den Vorgenannten die Blüten ganz weit, und die Anthese erfolgt in Form von  kropetalen Blühwellen. Die Strategie von B. amplexicaulis ist es, mithilfe vielblütiger Wickel und jeweils relativ weniger Blüten gleichzeitig über einen langen Zeitraum Bestäuber anzulocken. Für B. affinis gilt ersteres weniger, doch sorgen auch hier ständig neue Blütentriebe für eine Dauerpräsentation, wobei mit Farbwechseln der jeweilige Bestäubungsstatus der Blüten angezeigt wird. Auffällig bei allen Bistorta-Arten ist die zygomorphe, fast dreieckige Form der Blüten in bestimmten Stadien der Anthese. In der Diskussion wird versucht dieses Phänomen zu erklären. Zwei Deutungsvarianten werden beschrieben: die eupentamere These, die die Blüten als 5-zählig und die Blütenhülle als einkreisig betrachtet, sich dabei auf neuere Erkenntnisse der Phylogenie stützend; dem wird vom Autor die pseudopentamere These entgegengesetzt, die von zwei Bütenhüllkreisen ausgeht sowie davon, dass die Polygonaceenblüte strukturell 3-zählig ist. Diese hat den Vorteil, dass sich damit die morphologischen Besonderheiten, die bei der Anthese zutage treten, besser erklären lassen.
 
 
Abstract: On the anthesis of the snake knotweed (Bistorta officinalis, Polygonaceae) and related species. The flowering process (anthesis) of five species of the genus Bistorta (B. officinalis, B. vivipara, B. amplexicaulis, B. affinis, B. vacciniifolia) is described in detail. Existing gaps in knowledge are filled and wrong descriptions are corrected. First, for a better understanding the genus is shortly characterized and the structure of the Bistorta flower is described in detail. The focus of the study is on the anthesis of the Common Bistort. Four phases of anthesis can be distinguished: 1. emergence of the internal stamens from still nearly closed flowers, 2. emergence of the outer stamens with partial flower opening, 3. extrusion of the styles, 4. angulation of the flower pedicels to the inflorescence axis. For B. officinalis two-fold flowering is typical. This does not proceed acropetally from bottom to top but radially (along the lateral cyme axes) from inside to outside, which leads to the well-known lampbrush aspect of the inflorescences. Deviations from normal flowering behaviour are described. The situation in B. vivipara is similar, but the lateral cymes are 1-flowered and reproduction usually takes place vegetatively with bulbils in the lower half of the inflorescences. In contrast to the above species, the flowers of B. amplexicaulis and B. affinis open widely and anthesis takes place in the form of acropetal flowering waves. The strategy of B. amplexicaulis is to use multi-flowered cymes and to present only few flowers at the same time in order to attract pollinators over a long period. For B. affinis the former is less valid, but in this species new flowering shoots serve the extended presentation of flowers. The respective pollination status of flowers is indicated by colour changes. The zygomorphic, almost triangular shape of the flowers at certain stages of anthesis is striking in all Bistorta species. The discussion attempts to explain this phenomenon. Two explanatory variants are described. The eupentamerous hypothesis considers flowers to be truly pentamerous and the perianth consists of one whorl of tepals. This hypothesis is based mainly on recent phylogenetic findings. The author instead favours the pseudopentamerous hypothesis, which assumes two whorls of organs in the perianth and that the polygonaceous flower is structurally trimerous. The advantage of the latter interpretation is that the morphological peculiarities observed in the anthesis can be explained better. Smolka, A., Rätzel, S., Herklotz, V. & Ritz, C. M.: Zytologische und genetische Untersuchungen zu Viola epipsila, V. palustris und ihrer Hybride V. ×fennica       45–55
  
 
Zusammenfassung: Arten der Gattung Viola sind aufgrund ihrer großen morphologischen Variationsbreite und komplexer Hybridisierungs- und Polyploidisierungsereignisse oft nicht einfach bestimmbar. Die beiden Arten V. palustris und V. epipsila und deren Hybride V. ×fennica wurden darum mithilfe von Durchflusszytometrie, mikroskopischer Chromosomenzählung und der Sequenzierung eines Plastidenmarkers untersucht, um ihre Verwandtschaftsverhältnisse zu klären und die verschiedenen Zytotypen mit morphologischen Merkmalen zu vergleichen. Die vorherige Bestimmung nach morphologischen Merkmalen konnte in allen Fällen durch die zytologische Analyse bestätigt werden, was die verwendeten Unterscheidungsmerkmale verifiziert. Es wurden Chromosomenzahlen von 2n = 24 für V. epipsila, 2n = 48 für V. palustris und 2n = 36 für die Hybride V. ×fennica ermittelt, was bereits existierende Literaturangaben bestätigt. Plastidsequenzenanalysen ergaben V. epipsila als mütterlichen Elter für alle V. ×fennica-Akzessionen, während V. palustris subsp. pubifolia mithilfe der hier angewandten Methoden nicht von V. palustris zu unterscheiden war. Aufgrund unserer Untersuchungen konnten der Wiederfund von V. epipsila und der erste Nachweis von V. ×fennica für Brandenburg erbracht werden. Die hier beschriebenen Methoden können zur eindeutigen Unterscheidung der untersuchten Taxa aus der Verwandtschaft von V. palustris verwendet werden und somit auch zum gezielten Schutz der in Deutschland extrem seltenen und akut vom Aussterben bedrohten V. epipsila sowie der ebenfalls sehr seltenen Hybride beitragen.
 
 
Abstract: Cytological and genetic studies on Viola epipsila, V. palustris and their hybrid V. ×fennica. Morphological identification of species of the genus Viola is complicated due to their high morphological variability and complex hybridisation and polyploidisation events. V. palustris, V. epipsila and their hybrid V. ×fennica were therefore investigated by flow cytometry, microscopic chromosome counting and sequencing of a plastid marker to clarify their relationships and to compare the different cytotypes with morphological characters. The initial morphological determination was confirmed in all cases by chromosome counts of 2n = 24 for V. epipsila, 2n = 48 for V. palustris and 2n = 36 for the hybrid V. ×fennica, confirming already existing literature data. Plastid sequences revealed V. epipsila as the maternal parent for all accessions of V. ×fennica, while V. palustris subsp. pubifolia could not be distinguished from V. palustris here. Based on our investigations, the recovery of V. epipsila and first evidence on the occurrence of V. ×fennica in Brandenburg could be confirmed. The methods described here can be used to clearly distinguish the studied taxa and thus support the protection of the extremely rare V. epipsila and its also rare hybrid.  
 
Dunkel, F. G.: Der Ranunculus-auricomus-Komplex (Ranunculaceae) in Sachsen . 57–188
 
 
Zusammenfassung: Anhand umfangreicher Feld- und Herbarstudien können in Sachsen 35 Arten aus dem Ranunculus-auricomus-Komplex unterschieden werden. R. argoviensis, R. hevellus, R. homophyllus, R. monacensis, R. phragmiteti, R. suborbicularis und R. vertumnalis können für Sachsen bestätigt werden oder sind neu für Sachsen. 28 Arten sind bislang unbekannt und werden hier neu beschrieben und abgebildet. Schwerpunkte der Verbreitung sind die Leipziger Bucht und die östliche Oberlausitz. Die meisten der Arten sind gefährdet bis stark gefährdet, viele historische Nachweise konnten nicht mehr bestätigt werden. Nach Abgrenzung der Taxa sollte der R.-auricomus-Komplex naturschutzfachlich deutlich stärker im Fokus stehen.
 
 
Abstract: The Ranunculus auricomus complex in Saxony, Germany. Intensive field and herbaria studies result in identification of 35 different species of the Ranunculus auricomus complex in Saxony. R. argoviensis, R. hevellus, R. homophyllus, R. monacensis, R. phragmiteti, R. suborbicularis and R. vertumnalis can be confirmed or are new for the flora of Saxony. 28 taxa are new to science. They are described and depicted here. Centres of biodiversity are the Bay of Leipzig and Upper Lusatia. Most of the species are endangered or highly vulnerable, many of the historic indications could not be verified. The new knowledge of the R. auricomus complex in Saxony should help conservationists to put the focus on it.
 
  Gottschlich, G.: Zur Geschichte des Brocken-Habichtskrauts (Hieracium nigrescens subsp. bructerum (Fr.) Zahn)... 189–209
 
 
Zusammenfassung: Die bis auf Johannes Thal und seine „Sylva Hercynia“ (1588) zurückreichende Geschichte des Brocken-Habichtskrauts (Hieracium nigrescens subsp. bructerum) und ihr Niederschlag in vor- und nachlinnéischer Literatur sowie in Herbarien wird rekonstruiert. Der derzeit akzeptierte Name wird neotypisiert. Kulturgeschichtliche Aspekte im Zusammenhang mit dem Brockentourismus und den Besonderheiten der subalpinen Brockenflora werden nachgezeichnet. Abschließend wird auf Gefährdungen und Schutzmaßnahmen eingegangen.
 
 
Abstract: History of the “Brocken” hawkweed (Hieracium nigrescens subsp. bructerum (Fr.) Zahn). The history of the Brocken hawkweed (Hieracium nigrescens subsp. bructerum) starting with Johannes Thal and his “Sylva Hercynia” (1588) and its precipitation in pre- and post-Linnaean literature as well as in herbaria is reconstructed. The actually accepted name is neotypified. Cultural-historical aspects in connection with Brocken tourism and the special features of the subalpine Brocken flora are traced. Finally, threats and protection measures are discussed. Gregor, T. & Paule, J. (ed.): Chromosomenzahlen von Farn- und Samenpflanzen
aus Deutschland 15  … 211–218
 
 
 
Hand, R.: Beiträge zur Fortschreibung der Florenliste Deutschlands (Pteridophyta, Spermatophyta) – Vierzehnte Folge  … 219–229

 
Zusammenfassung: Weitere Nachträge und Korrekturen zur Liste der in Deutschland vorkommenden Gefäßpflanzen werden zusammengestellt und kommentiert. Für Deutschland neu sind 17 Taxa. Die Namen Geranium robertianum subsp. maritimum und Thalictrum minus subsp. saxatile werden im Hinblick auf die Änderung der Autorenschaft diskutiert.
 
 
Abstract: Contributions to an updated list of the German flora (Pteridophyta, Spermatophyta) – Fourteenth instalment. Further commented additions and corrections to the checklist of vascular plants are presented. The past months saw the addition of 17 indigenous taxa to the checklist. The authorship of the names Geranium robertianum subsp. maritimum and Thalictrum minus subsp. saxatile respectively is discussed.
 
Schriftenschau / Literature review  …  231–242
 
 
Errata  ....  243
 
 
 
Typisierungen / typifications  ....  244
 
 
 
Neue Namen und Kombinationen / New names and combinations  ....  244
06.12.2022
Besucher bis 12.02.2012
Besucher ab 12.02.2012
Zurück zum Seiteninhalt